[Juenger-list] Briefe-Laerm - 23.8.07
Henry Malon
malon at ezlink.ca
Thu Aug 23 03:08:15 EDT 2007
Liebe Juenger-Freunde:
DIE WELT berichtet heute, am 24. August 2007, "Laerm toetet weltweit zehntausende Menschen". Der Berichterstatter konstatiert , "dass der Krach auf das Herz schlagen kann und Schlafstoerungen, Schwerhoerigkeit oder Tinnitus, die von lauter Musik, Verkehrs- und Freizeitlaerm kommen koennen, verursachen. Permanente Geraeusche am Tag oder nachts koennen zu Lernstoerungen bei Kindern fuehren. Laerm toetet nach vorlaeufigen Kenntnissen der Weltgesundheitsorganisation zehntausende Menschen pro Jahr. Allein die Langzeitbelastung durch Verkehrslaerm sei in Europa fuer bis zu drei Prozent aller toedlichen Herzanfaelle verantwortlich. Angesichts von weltweit sieben Millionen Toten pro Jahr durch sogenannte ischaemische Herzkrankheiten koennten jaehrlich mehr als 200.000 Todesfaelle auf das Konto des Krachs gehen."
Jeder zeitgenoessissche, stumpfsinnige, geltungsbeduerftige, neurotische, eitle, paranoische, druesengestoerte, betriebsame Mensch weiss, dass seine Mitmenschen den Laerm, das Geschwaetz, die Dampfplauderei, den Geiz, die Gier, das Geld, die Ungeduld, die Wollust, die Ausbeutung, das Fernsehen, die Grausamkeit, den Geschlechtsverkehr , die Maske, das Radio, die Sonnenbrille, die Luege, - und vor allem die Beschaeftigung von ganzem Herzen lieben, - (natuerlich spricht kein blasierter, eitler, anmassender, arroganter, paranoischer Mensch ueber solche Dinge) - - - jedoch die Stille, die Ruhe, die Gottesnaehe, die Dankbarkeit, die Einsamkeit, das Ehrgefuehl, die Aufrichtigkeit, die Geduld verabscheuen. Ich gehe taeglich auf einen alleinigen, besinnlichen Waldgang und habe in drei Jahren noch niemals ein Schwein im Walde getroffen. Wie jeder vernunftgegabte Mensch wohl weiss, das schlimmste Uebel dieser Welt, das der Menschheit droht , ist nicht der Verkehrslaerm noch ein Dritter Weltkrieg noch eine wuetende Epidemie noch eine furchterregende Naturkatastrophe wie ein Erdbeben , sondern der fortwaehrende Laerm, das liederliche Geschnabbel, das Getoese, das Getrappel, das Gequassel, das Geschnatter, das Geschwaetz der verlogenen Dampfplauderer, der Journalisten, der Politiker, der Rechtsanwaelte, der Aerzte und aller Verkaufsleute - das allmaechtige Wort des flagitioesen Gesindels. Der weise Ernst Juenger sagt diesbezueglich so treffend:"Das Vergnuegen einsamer Spaziergaenge beruht gewiss auch darauf, dass man das Seine mit sich traegt. Unser Bewusstsein begleitet uns gleich einem Kugelspiegel, oder besser gleich einer Aura, deren Mittelpunkt wir sind. Die schoenen Bilder dringen in diese Aura ein und erfahren in ihr eine atmosphaerische Veraenderung. So schreiten wir unter Zeichen wie unter Nordlichtern, Sonnenringen und Regenboegen dahin. Diese erlesene Vermaehlung und Zeugung mit der Welt gehoert zu den hoechsten Genuessen, die uns beschieden sind." GES. WERKE. Band 9. 288.
Stille ist eine der wichtigsten Dimensionen des Menschseins, die groessenteils unterschaetzt wird. Wer sie erfaehrt und geniesst, empfindet ein ungeheures Wachstum im Selbstvertrauen und in der Liebeskraft. Um sich vom eigenen inneren Elend abzulenken, kommt es , dass die Menschen den Laerm und jegliches Getoese schaetzen. "Jeder Waldspaziergang ist ja eine Art von Kreuzzug, zu dem uns eine innere , heilige Stimme ruft. In jedem Wandern verbirgt sich also eine Wallfahrt mit unbekanntem Ziel." Ernst Juenger. AUTOR UND AUTOSCHAFT. 235
Dem ungestuemen Laerm , des liederlichen Geschwaetzes und der inneren Unruhe zum Trotz , schlaegt Hermann Hesse (1877-1962) den Nagel genau auf den Kopf:" Geduld ist die schwierigste aller Eigenschaften und die einzige auf die wir uns konzentrieren sollten. Die ganze Natur, jegliches Wachstum, jeglicher Friede, - alles Bluehende und Schoene in der Welt beruhen auf Geduld, - beduerfen Zeit , Stille, Glauben und Vertrauen auf lange Wachstumsprozesse." REFLEKTIONEN. 57.
Wegen ihrer Selbstsucht und ihres unausrottbaren Geltungsbeduerfnisses reagieren gewoehnlich die Leser einer Zeitung auf ein Thema des Tages, - selten auf die Meinung eines anderen Lesers. Da nach Studien der Fachleute ein Leserbrief sechshundert Meinungen darstellt, erfreute es mich , eine Reaktion auf meinen Brief zu erhalten. Im Internet schrieb ein Emil Ohropax:" Henry T. Malon hat voellig recht in seinem tollen Beitrag. Ich habe noch niemals freilaufende Schweine gesehen. Vielleicht solltest Du auch einmal ruhig und alleine in einem Wald spazieren gehen ohne rumzulaermen. Du wirst Dich wundern, wieviele Schweine umherlaufen. Leider kennen viele den Wald nur aus der Perspektive des ueberlaufenen, ausgetretenen Wochenendspazierpfades, wo vor lauter plappernden laermenden Menschen, Fahrradklingeln, Hundegebell, Handygebimmel und Kindergekreische kaum noch ein Vogel zu hoeren ist."
Wie immer, - herzliche Gruesse aus dem Land der ziegelroten Irokesen, der lachsroten Abenakis, der glitzernden Wasser und des maechtigen Manitous - Unvergleichlich - H.T. Malon.
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