[Juenger-list] Rezension zu Luminar 3

Tobias Wimbauer wimbauer at web.de
Thu Dec 21 02:18:44 EST 2006


Liebe Jünger-Freunde,

auf dem Musikportal Neo-Form ist seit heute eine Rezension zum Luminar und ein Interview mit mir online :

http://www.neo-form.de/artikel/artikel.php?id=532 (Interview)
http://www.neo-form.de/artikel/artikel.php?id=533 (Besprechung)

Die Rezension als PS anbei.

Herzliche Grüsse rundum, Ihr / Euer TW

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Tobias Wimbauer (Hg.): Anarch im Widerspruch. Neue Beiträge zu Werk und Leben der Gebrüder Jünger. Das Luminar. Schriften zu Ernst und Friedrich Georg Jünger. Bd. 3.
Edition Antaios, Albersroda 2004.
300 Seiten, 30,00 EUR.
ISBN 3935063539

".. jene geheimnisvolle Hand, die unsern Griff nach Büchern lenkt .." (Carl Schmitt)

Nach Tobias Wimbauers Personenregister zu Ernst Jüngers Tagebüchern und der Dissertation John Kings über Ernst Jüngers tatsächliche und ungeschminkte Kriegserfahrungen unter dem Titel "Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?" erschien in der Edition Antaios Band 3 - Anarch im Widerspruch. Dieser Band ist eine anregende Lektüre, manches liest sich fast wie eine kriminalistische Spurensicherung. So schreibt Tobias Wimbauer über die eigentlichen Hintergründe der scheinbar so eiskalten, dandyhaften Burgunderszene Ende Mai 1944 in Paris, jener Stadt, die Ernst Jünger liebte wie eine Frau ("Beim zweiten (Luftangriff), bei Sonnenuntergang, hielt ich ein Glas Burgunder, in dem Erdbeeren schwammen, in der Hand. Die Stadt mit ihren roten Türmen und Kuppeln lag in gewaltiger Schönheit, gleich einem Kelche, der zu tödlicher Befruchtung überflogen wird."). Ihm gelingt der Nachweis, daß an diesem Tag gar keine Luftangriffe stattfanden und diese berühmte Schilderung in Wirklichkeit Jüngers Affaire zu einer französischen Ärztin verschlüsselt beschrieb. Eine zweite Arbeit von Tobias Wimbauer handelt von Ortners Erzählung, einer Binnenerzählung in Jüngers Roman Heliopolis, die vom Traum nach Allmacht und Allwissenheit handelt und der dadurch entstehenden Leere ("Es war zunächst die Langeweile, die mich immer lebhafter ergriff. Ich merkte, daß mir die Spannung fehlte, das Ungewisse, das Für und Wider, das Rote und das Schwarze, das dem Leben den eigentlichen Reiz verleiht. Die Chance war für mich berechenbar. Es fehlte ihr das Rätselhafte, das Unbestimmte, das uns das Herz beschwingt") - und schließlich dem Wunsch, diese Allmacht wieder abzustreifen. Ein wunderschönes Gleichnis, inspiriert durch eine Augenoperation, der sich Ernst Jünger 1947 unterzog. Ein weiteres Beispiel für eine aus zahllosen Mosaiksteinchen zusammengetragene detektivische Meisterleistung ist der Beitrag von Piet Tommissen über die Entstehung und Wirkung von Ernst Jüngers Schrift "Der Friede", die während des Zweiten Weltkriegs entstand. Dieser Friedensaufruf an Soldaten und die europäische Jugend war ein gefährliches Unterfangen ("Ich bin da ganz einsam, indem ich weder auf dieser noch auf der Gegenseite auf Freundschaft rechnen kann."). So verbrachte Jüngers siebzehnjähriger Sohn Ernst ein halbes Jahr im Gefängnis, weil er als Marinehelfer einigen Kameraden davon erzählt hatte. Ihm widmete Ernst Jünger schließlich auch diesen Text. Luminar 3 enthält auch ein beeindruckendes, sehr poetisches Traktat von Leonhard Fischer zum Thema "Vom Verlust der Autorität", ein Meisterwerk der Dichtkunst, geschult an den Schriften Hölderlins und Heideggers. Weiters enthält der Band auch einen aufschlußreichen Text von Friedrich Georg Jünger über seine Erfahrungen in den ersten Nachkriegswochen am Bodensee, über Plünderungen und Verhaftungen der französischen Truppen, Wilhelm Marquardt schildert seine Zeit als Gefechtsläufer bei Ernst Jünger 1918, und Peter Bahn berichtet über die Beziehung zwischen Friedrich Georg Jünger und Friedrich Hielscher. Zu Wort kommen auch Zeitzeugen wie Franz Schauwecker und Ludwig Alwens. Schlußfolgerung: Ein faszinierender Band, der Lust darauf weckt, manches aus der Feder Ernst Jüngers endlich oder erneut zu lesen.
Gerhard für Neo-Form.de

Nachtrag:

Die LUMINAR-Reihe wurde bei Antaios eingestellt. Der vierte Band wird bei Parerga in Berlin erscheinen.

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